Zeichentrickfilme, Animationsfilme und Anime – Ein Überblick

Die Welt des Films wäre nicht vollständig, ohne Filme in gezeichneter oder animierter Form zu nennen. Egal ob Disney, Studio Ghibli oder Laika – sie alle verdienen sich hier ihren Platz. Den viel zu unbeachteten japanischen Manga und Anime haben wir weiter unten sogar noch ein Denkmal gesetzt. Denn seit Jahren sind sie Verkaufsschlager in Deutschland, der Markt wächst unaufhörlich. Grund genug, dem oftmals belächelten Anime seinen Platz bei Tribblewookie.de einzuräumen!











Sci Fi Anime & Manga: Geschichte und Merkmale

Unter einem Manga versteht man gemeinhin Comics aus Japan. Das Wort Manga besitzt viele verschiedene Übersetzungen wie z.B. „impulsiv“, „bunt gemischt“ oder „wunderlich/skurril“, also Eigenschaften, die auf die kunterbunte Mangaszene durchaus zutreffen. Der genaue Entstehungszeitpunkt kann nicht so klar umrissen werden, wie in der amerikanischen Comicszene. So kam die Bezeichnung Manga schon im frühen Mittelalter auf, bedeutete aber etwas völlig anderes als heute. Ende des 19. Jahrhunderts liefen Karikaturen, humoristische Zeichnungen sowie Zeichenkunst im Allgemeinen unter dem Begriff. Schlussendlich griff Kitazawa Rakuten das Wort Manga für seine Comics auf – ihre heutige Bedeutung war geboren. Während in Japan sämtliche Comics – egal woher – mit dem Wort Manga beschrieben werden, gilt dieser Ausdruck weltweit bloß für in Japan entstandene Comics.

Typische Merkmale eines Mangas:

  • Gelesen von hinten nach vorne
  • Asiatische Schriftzeichen
  • Oft Schwarz-Weiß
  • Verniedlichte Zeichnung von Figuren und Menschen (Mangaaugen)
  • Lange, filmisch erzählte Geschichten
  • Hochgradig kodifizierte Bildsprache

Animes und Mangas: Gesellschaftliche Akzeptanz

Bild aus einem MangaAnders als in den westlichen Ländern gelten Mangas und Animes in Japan als Büchern und Realfilmen ebenbürtig. Sie sind ebenso als Form der Kinder- als auch der Erwachsenenunterhaltung akzeptiert. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, wenn Geschäftsleute in der Bahn ihren Manga lesen. Es hat sich sogar eine große Tauschkultur (genannt „mawashiyomi“) entwickelt sowie eine Cafe-Szene, die Mangas in ihren Räumlichkeiten zur Lektüre auslegt (genannt „Manga Kissa“). Die hohe Genrevielfalt, die wirklich jede Vorliebe bedient, tut ihr Übriges dazu. Vor allem westliche Pädagogen üben deswegen hin und wieder Kritik an dem Medium – ohne Erfolg.

Animes und Mangas: Genres und Inhalte

Über die Zeit haben sich vor allem Zielgruppen nach demographischen Gesichtspunkten entwickelt. So unterscheidet man in Japan Mangas in folgende Sektionen:

  • Shonen für männliche Jugendliche
  • Seinen für junge Männer
  • Josei (auh Ladies Comic) für junge Frauen
  • Kodomo für kleine Kinder

Es gibt noch weitere Untergruppen, die beispielsweise auf ein älteres Publikum oder ganze Familien abzielen. Sogar um die Bereiche Kochen, japanische Geschichte oder Kalligrafie hat sich eine Mangaszene entwickelt. Für Sci Fi Fans besonders interessant dürfte „Mecha“ sein, eine Unterform der Science Fiction, die sein Hauptaugenmerk auf gigantische Kampfroboter legt.

Animes und Mangas: Gewalt, Sex und Perversionen

Wie schon zuvor angedeutet, gibt es für jeden Geschmack den passenden Manga oder Anime. Viele berühmte Titel zeichnen sich durch einen hohen Grad an Gewalt aus, meist begleitet von teils deftigen Sexszenen. Titel wie „Cowboy Bepop“ oder „Elfenlied“ nutzen diese Stilelemente, was ihnen – neben interessanter Storyline – zusätzliche Aufmerksamkeit einbrachte. Vor allem Letzteres verband kindliche Figuren mit krassen Gewaltszenen, die das Publikum schockierte. Doch stand dort immer noch die Story im Vordergrund, was sich bei manchen Subgenres nicht mehr sagen lassen kann.

Animes und Mangas: Erotik

Frau mit roten Haaren in AnimeFreizügigkeit und erotische Geschichten sind aus der japanischen Kultur kaum wegzudenken. Schon im Mittelalter wurden diese angefertigt (Shunga) und ab den 1950ern wieder rehabilitiert. Neben den Hauptgenres Etchi und Hentai haben sich noch weitere Subgenres herausgebildet. So widmen sich Yaoi und Yuri homoerotischen Phantasien mit Männern und Frauen. Auffällig bei der erotischen Literatur aus Japan ist der Einfluss der unter der amerikanischen Besetzung eingesetzten Gesetzgebung. Sie verbot das Zeigen von Genitalien, weswegen Mangaka (Manga-Zeichner) diese bloß kindlich darstellten. Daraus entstanden Genre wie Lolicon und Shotacon, die kindliche Figuren mit sexuellem Unterton darstellte. Im Film umgehen die Macher das oft mit Verpixelung oder schwarzen Balken. Ebenfalls beliebt sind Symbolbildern von Tieren oder Früchten, die die Genitalien verdecken.

Etchi

Eine der bekanntesten Formen der erotischen Mangas ist Etchi bzw. Ecchi und ist in der japanischen Sprache die Bezeichnung für sexuelle Anspielungen. Im westlichen Markt wird strikt zwischen Etchi und Hentai getrennt, wobei Erstere Sexszenen abgeschwächt darstellen und nicht der Pornographie zuzuordnen sind. Die erotischen Darstellungen sind also weniger explizit als bei Hentai. Werke des Etchi gehen mit der Sexualität humorvoll um, die Figuren sind sich ihrer Ausstrahlung meist nicht bewusst. Häufig wird die Erektion des Mannes durch Nasenbluten symbolisiert. Das versehentliche Zeigen von Unterwäsche (Pantsu) einer weiblichen Figur ist ein weiteres Merkmal des Etchi.

Hentai

Hentai ist quasi die Weiterentwicklung von Etchi und schon der Pornographie zuzuordnen. Ein wesentliches Merkmal ist die Vielfalt an Darstellungsmöglichkeiten, die in einem Realfilm nicht möglich wäre. So kommt es in manchen Hentai-Filmen und -Mangas zum Sex zwischen Mensch und Monstern und Tentakeln. Fetische, Bondage, Voyeurismus und die erwähnten Lolicon und Shotacon werden ebenfalls porträtiert. Hentai-Videos stellen manchmal sogar Sexualpraktiken dar, die in Wirklichkeit strafbar sind. Da Pornographie in Japan gesetzlich verboten ist, bietet sich im Hentai Filmemachern und Mangaka die Möglichkeit, dem zu entfliehen. Da die Gesetzeslage eher schwammig formuliert ist, ist es in Japan trotzdem möglich Pornos zu drehen. Es müssen jedoch obszöne Stellen verpixelt oder mit Balken überzeichnet werden.

Animes und Mangas in Deutschland

Mangas in Deutschland

Mangamädchen mit geschlossenen AugenIn Deutschland kamen Mangas und Animes erst in den 90ern wirklich an. Zwar gab es mit „Barfuß nach Hiroshima“ 1982 den Versuch, den Manga im Mainstream zu positionieren, scheiterte aber. Erst mit Dragonball 1996 gelang der Durchbruch und öffnete den Markt für Deutschland. Inzwischen erscheinen jährlich über 800 Millionen Manga-Bände inklusive originaler Leserichtung bei Verlagshäusern wie Carlsen Manga, Egmont Manga, Tokyopop oder Kazé. Im Comicmarkt, der durch sinkende Auflagenzahlen von sich reden machte, sorgte der Mangaboom für einen Schub. Erstmals konnten weibliche Leser generiert werden und die aufkeimende Cosplay-Szene sorgte für den nötigen Medienrummel.

Animes in Deutschland

Anime im Kino

In den Kinos sind Anime nach wie vor eine Seltenheit. Zwar wurde schon 1961 mit „Der Zauberer und die Banditen“ ein Anime in deutschen Kinos gezeigt, mehr als 40 sind es in ihrer Gesamtzahl bis heute aber nicht. Achtungserfolge verzeichneten lediglich die Studio Ghibli Filme wie „Chihiros Reise ins Zauberland“ oder „Prinzessin Mononoke“. Dank der Popularität der TV-Serie führen die drei Pokemon-Filme die Liste mit den bislang höchsten Zuschauerzahlen an.

Anime im Fernsehen

Schon der erste in Deutschland gezeigte Anime war ein Skandal. Die Serie „Speed Racer“ wurde von der ARD ins Nachmittagsprogramm genommen und sofort von Eltern und Pädagogen zerrissen. Die Medien (unter anderem Spiegel und Welt) bezeichneten die Serie als Skandal und Horror-Comic, woraufhin die Serie nach bloß drei der acht Folgen ausgestrahlt wurden. Zwar gab es mit „Captain Future“ ein weiteres umstrittenes Format, doch beschränkten sich die Macher eher jetzt eher auf Anime-Titel wie „Wickie und die starken Männer“, „Heidi“ oder „Biene Maja“. Erst mit dem Anime-Block der privaten Sender setzte sich der Siegeszug der Animes wirklich durch. Titel wie „Dragonball“, „Pokemon“ oder „Sailor Moon“ wurden zu einem popkulturellen Phänomen, das sogar Spielkarten und Videospiele nach sich zog. Über die Jahre sorgten „Yu Gi Oh“, „Naruto“ oder „One Piece“ dafür, dass die Beliebtheit von Animes vor allem unter Jugendlichen weiter anhielt.

Sci Fi Animes und Mangas – Ausblick

Animes und Mangas sind aus der weltweiten Popkultur nicht mehr wegzudenken. Ihre Akzeptanz stieg in den letzten Jahrzehnten beharrlich, weshalb sogar Hollywood auf den Zug mitaufspringt. Realfilmadaptionen von „Akira“ und „Ghost in the Shell“ sind geplant. Letzterer konnte mit Scarlett Johansson sogar einen großen Hollywoodstar für sich verbuchen. Es bleibt also spannend, was in Zukunft noch kommen wird.