Victoria Staffel 1 – Viel mehr als bloß Königshaus-Seifenoper

Jenna Coleman als Victoria
Nichts fasziniert die Briten so sehr, wie das eigene Königshaus. Wie viele Sternstunden des britischen Fernsehens würden uns fehlen, inspirierten die Tudors, Windsors und wie sie alle heißen die Filmemacher nicht bis heute. „Victoria“ versucht sich einzureihen in Publikumserfolge der Marke „Downtown Abbey“, „The Tudors“ oder „The Crown“. Kann die Serie neben diesen Budgetschwergewichten bestehen?

An dieser Stelle könnte diese Kritik schon zu Ende sein. Denn die Antwort lautet unumwunden: Ja! „Victoria“ verzaubert von der ersten Minute an. Die Macher achten auf jedes Detail und staffieren ihre Erzählung rund um Queen Victoria an den richtigen Stellen aus. Da kommt es nicht ungelegen, dass diese Serie gerade für deutsche Zuschauer hoch interessant ist. Denn Victoria war Halbdeutsche, die einen deutschen Prinzen ehelichte. So gesehen steckt ganz schön viel Deutsches im britischen Königshaus, was – in Anbetracht der späteren Geschichte – wie bittere Ironie erscheint.

Auch abseits dessen weiß „Victoria“ voll und ganz zu überzeugen. Natürlich steht und fällt sie mit der Wahl der Hauptdarstellerin. Mit Jenna Coleman (Doctor Who) hätten die Produzenten keine bessere Schauspielerin finden können. Sie verkörpert die Queen in allen Lebenslagen glaubhaft. Von anfänglicher Unsicherheit als 18-Jährige bis zur gereiften Königen in ihren Zwanzigern. Äußerlich wirkt sie zerbrechlich, fast schon schüchtern, doch sobald sie den Lords und Ministern die Stirn bietet, scheinen sie durch, die „veins of steel“.

Victoria Staffel 1 – Von Anfang bis Ende durchdacht

Rufus Sewell in Victoria Staffel 1
©Edel Motion

Bis hinein in die Nebenrollen zieht sich die perfekte Castauswahl. Rufus Sewell („Man in the High Castle“) entwickelt im Zusammenspiel mit Coleman eine hervorragende Chemie. Die Gefühle der Beiden, die sie beide für das größere Wohl zu unterdrücken versuchen, bannt den Zuschauer vor den Fernseher. Tom Hughes in der Rolle des Prinz Albert steht Sewell hier in nichts nach, genau wie Eve Myles (Torchwood). Doch ist „Victoria“ weit davon entfernt, bloße Seifenoper zu sein. Geschickt verflechten die Autoren Sittengemälde des späten 19. Jahrhunderts mit den Verquickungen am Hofe. Einen wirklichen Bösewicht gibt es nicht, denn sämtliche Figuren folgen nachvollziehbaren Interessen.

Der heimliche Star der Serie – neben der engelsgleichen Jenna Coleman – sind Ausstattung und Kostüme. Das Publikum blickt wie durch ein Fenster in eine vergangene Epoche. Jede Uniform, jedes Kleid, jeder Ballsaal scheint direkt einer Zeitmaschine entsprungen zu sein. Hier können sich Dutzende Kostümfilme eine Scheibe abschneiden, denn viel schöner kann man den britischen Adel im ausklingenden 19. Jahrhundert nicht darstellen. Und das ohne je in Kitsch abzudriften.

Victoria Staffel 1 – Fazit

Jenna Coleman in Victoria Staffel 1
©Edel Motion
“Victoria Staffel 1” überzeugt in allen Belangen. Die Darsteller würdigen ihre historischen Figuren mit einer bravurösen Leistung, die Dialoge sind schnell, spritzig und elegant. Gleichzeitig schafft es die Serie das Innenleben Victorias, sowie politische und soziale Probleme unter einen Hut zu bekommen. Und das ohne zu langweilen oder überfrachtet zu wirken. Hinzu kommen die phänomenalen Kostüme und Sets, die das Abtauchen in eine fremde Zeit zu einem Erlebnis werden lassen. Die BBC hat mit dieser ITV-Produktion ernsthafte Konkurrenz bekommen. Wer Jenna Coleman in der Rolle der Queen Victoria nicht nach wenigen Minuten sein Herz schenkt, der glaubt nicht mehr an die Kraft des seriellen Erzählens. Bitte mehr.

Titel: Victoria Staffel eins
FSK: ab 0 freigegeben
Episodenanzahl: 8 Episoden á 45 Minuten
Autorin: Daisy Goodwin
Darsteller: Jenna Coleman, Rufus Sewell, Eve Myles, Tom Hughes, Tommy Knight, Peter Firth, Paul Rhys, David Oakes, Daniela Holtz

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