Una und Ray – Ist jede Liebe unschuldig?

Ben Mendelsohn und Rooney Mara in Una und Ray

Was passiert mit dem Menschen, wenn er ein Traumata der Jugend nicht verarbeiten kann? Wenn es an dieser Person nagt, über Jahre hinweg, sich seiner Selbst bemächtigt, bis alles, was sie tut, denkt oder fühlt darauf ausgerichtet ist? Regisseur Benedict Andrews wagt in Una und Ray einen vorsichtigen Blick unter die Porzellan-Oberfläche, hinter das makellose Elfengesicht Rooney Maras(Trash).

Mara spielt Una, eine junge, hübsche Frau, die sich in oberflächlichen Partys und One Night Stands verliert und noch zu Hause lebt. Ihre leeren Blicke in den Spiegel, eine Projektionsfläche ihrer Gefühle, erstarrt im Kreislauf der Vergangenheit, derer sie nicht entfliehen kann. Andrews gibt Mara Zeit, entschleunigt das Geschehen, um den Zuschauer allmählich hinter ihr Geheimnis kommen zu lassen.

Rooney Mara, Ben Mendelsohn und Aziz Asari
©Weltkino

Doch der eigentliche Verdienst des Films ist es, niemals in bloßes Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen. Die junge Una wird nie als das willenlose Opfer gezeigt, genauso wenig wie Ray (Ben Mendelson aus Star Wars: Rogue One) dämonisiert wird. Die Zwischentöne und Graufstufen beherrschen den reduzierten Film, der sich auf wenige Settings begrenzt und schon dadurch begreifbar macht, wie sehr die Figuren in ihrem Denken und Handeln eingeschränkt sind.

Una und Ray – Fazit

Una und Ray Poster
©Weltkino
So gibt es keine Erlösung für die Beiden, denen die Vergangenheit nachhängt wie ein Rattenschwanz. Hinter den Rechtfertigungen und Erklärungen, dem Schmerz und der Taubheit, da lauern brodelnde Emotionen, die, einmal herausgebrochen, niemanden zufriedenstellen. Das ist intensives Schauspielkino, unangenehm und roh, aber lohnenswert von Anfang bis Ende. Ein Seelenstriptease ohne Gewinner, mit zwei zerrütteten Figuren, die nicht wissen, wie sie lieben sollen oder ob sie es je hätten tun dürfen. In der Nacht sind alle Liebenden grau. Vermeintlich.

Titel: Una und Ray
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 94 Minuten
Autoren: David Harrower
Regisseur: Benedict Andrews
Darsteller: Rooney Mara, Ben Mendelsohn, Riz Ahmed, Ruby Stokes, Tara Fitzgerald, Tobias Menzies, Indira Varma

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