The Promise – Wenn Wichtiges in den Hintergrund gedrängt wird

Die Romanze steht im Vordergrund
© Capelight Pictures

Der Völkermord an den Armeniern 1915 ist immer noch ein brisantes Thema. Während ein Großteil der Weltöffentlichkeit die Ereignisse zwischen dem Osmanischen Reich und den Armeniern als historisch gesicherten Fakt anerkennen, gibt es (besonders in Form der Republik Türkei) immer noch Opposition, wenn es darum geht den Genozid an den Armeniern auch so zu nennen. The Promise soll diese Ereignisse nun dramatisch beleuchten und macht dabei Fehler, die der Zuschauer aus den 90er Jahren zu kennen scheint.

The Promise – Eine Handlung aus der Stereotypenkiste

Unser Protagonist ist dabei der armenische Mikael, der nach Istanbul geht um Medizin zu studieren. In Seinem Heimatdorf leben Armenier und Türken friedlich miteinander und seine armenische Verlobte wartet dort auf ihn. Diese heiratete er jedoch in der Hauptsache um sein Studium finanzieren zu können. Es kommt, wie es kommen muss: In Istanbul verliebt sich Mikael in die Hauslehrerin seiner Cousinen. Diese ist zwar noch kurzzeitig mit dem amerikanischen Journalisten Chris Meyers liiert, beendet die Liaison jedoch aufgrund von Meyers Alkoholproblem. Ach und dann brechen auch noch Unruhen aus.

Die typische Lagerfeuerszene darf nicht fehlen
© Capelight Pictures

Die Handlung ist das größte Problem des Films. Anstatt eine echte Exposition der Figuren zu ermöglichen, führt man lieber möglichst schnell in eine von Klischees überladene Liebesgeschichte ein, die den ganzen Film über viel zu viel Raum einnimmt. Die Geschichte ist vorhersehbar und so schon in dutzenden Historiendramas existent, der Unterschied ist jedoch, dass die eigentliche Haupthandlung, nämlich der Völkermord, komplett stiefmütterlich behandelt wird. Die Motivationen der Türken wird allenfalls in einem Nebensatz erklärt. Per Szenenwechsel verkommen fast alle türkischen Charaktere zu eindimensionalen Feindbildern.

Was folgt ist die Liebesgeschichte in Verbindung mit Szenen, die vor allem eine Funktion haben sollen: Betroffenheit auslösen. Leider gelingt das nur mäßig, da man dem Zuschauer keine Zeit lässt eine Bindung aufzubauen. Da gibt es schon die fast lächerliche Lagerfeuerszene, in der ein Nebencharakter kurz eine Hintergrundgeschichte bekommt, nur um tags drauf das zeitliche zu segnen.

Fazit

Da rettet auch die grandiose schauspielerische Leistung eines Oscar Isaac (A Most Violent Year) oder Christian Bale (Exodus) nicht darüber hinweg, dass die zwei Stunden sich wie eine Ewigkeit anfühlen. Deshalb ist The Promise leider kein Film, den ich empfehlen kann. Obwohl der Hintergrund und die Darsteller es verdienen würden, wird dieser Film der komplexen Geschichte in keinem Moment gerecht.

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