Mr. Long – Unverhofft emotionales Meisterwerk

Chen Chang in Mr. Long
Wie häufig kommt es vor, dass es eine japanisch-taiwanesisch-chinesisch-deutsche Koproduktion in die hiesigen Kinos schafft? Dank ZDF und ARTE darf Mr. Long, der neue Film des japanischen Kultregisseurs SABU, in Deutschland starten. Unter dem Label Rapid Eye Movies entspinnt sich das feine Psychogramm eines Killers, der mehr ist, als bloß der Finger am Abzug. Es ist schier unglaublich, was für ein cineastisches Kleinod hier seinen Weg auf deutsche Leinwände findet.

Mr. Long beginnt als tarantinoeskes Gangsterspektakel, wie man es lange nicht mehr gesehen hat. In atmosphärische Bilder taucht SABU den Werdegang des schweigsamen Killers (Chen Chang, Brotherhood of Blades), der seine Opfer mit einem Messer zur Strecke bringt. Es kommt wie es kommen muss: Ein Auftrag geht schief und unser Held(?) kann sich gerade so in ein fremdes Land absetzen. Dort landet er in einem Armenviertel, der Sprache nicht mächtig und schwer verletzt. Doch das ist bloß der Beginn einer wundervoll skurrilen und mutigen Geschichte…

Mr. Long mit Chen Chang
©Rapid Eye Movies

Asiatisches Kino besticht oftmals durch seinen Mut zum Bruch mit Konventionen. Genres werden mit Herzenslust gemischt, bis etwas daraus entsteht, das vom Einheitsbrei so weit entfernt ist, wie der BER von seiner Eröffnungsfeier. SABU, der in der Vergangenheit jedwedes Genre ausprobierte, hält es mit Mr. Long ähnlich. Vom Gangsterdrama sind die Übergänge zum Familienfilm fließend, zwischendurch entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte, nur um abrupt vom Drogendrama und schlussendlichen Gangsterelementen schmerzhaft eingeholt zu werden.

Das macht Mr. Long unvorhersehbar. Nie weiß der Zuschauer, wohin die Reise führt, was hinter der nächsten Ecke auf ihn wartet. Der schweigsame Killer mit Hang zur Kulinarik jongliert mit treibenden Actionszenen, humorvollen Einlagen, einer gewissen Romantik und entwaffnend viel Gefühl, dass einem schwindelig wird. Und das Großartige daran: Die Rechnung geht auf.

Mr. Long – Fazit

Mr. Long Poster
©Rapid Eye Movies
Mr. Long ist Kino nahe an der Perfektion. Ein wilder Genreritt, der, augenscheinlich blind, doch genau weiß, wohin er treten muss. Die grandiosen Darsteller sorgen für die nötige Glaubwürdigkeit, nichts wirkt aufgesetzt oder effekthascherisch. Man lacht zusammen mit den Dorfbewohnern, bewundert das kulinarische Talent der tödlichen Hauptfigur und ist gerührt von der zarten Quasi-Vater-Sohn-Beziehung, die sich entspinnt. Jedes Wagnis ein Treffer und so zielgerichtet, wie das Messer in der Hand unseres Killers. Empathie für einen Mörder – man muss ihm nur ein Stück Lauch geben. Der bislang beste Film des Jahres, der sich tief ins Herz pflanzt.

Titel: Mr. Long
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 94 Minuten
Autoren: Sabu
Regisseur: Sabu
Darsteller: Chen Chang, Yi Ti Yao, Run-yin Bai

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