Moonlight – Auch Gangster träumen nachts

Mahershala Ali in Moonlight

Wenn es in den letzten Jahren einen Film gegeben hat, der sämtliche sozialen Brennpunkte vereint, dann ist es „Moonlight“. Ein afroamerikanischer Junge, aufgewachsen in den Slums und mit drogenabhängiger Mutter, entdeckt seine Homosexualität. Rumms. Mehrere heiße Eisen auf einmal, mit denen Regisseur und Drehbuchautor Barry Jenkins jonglieren muss. Das wird auch nicht durch die Oscarpanne des Jahrhunderts übertönt, auch wenn „Moonlight“ selbst sehr leise Töne anschlägt.

Denn anders als im Nominierungsüberflieger „La La Land“ lässt „Moonlight“ Szenen der Stille, ja schon fast Szenen der Leere zu. Aufgeteilt in drei Akte, die für sich alleine einen Kurzfilm ergeben würden, wagt sich Jenkins in das Leben des Chiron hinein. Vom kleinen Jungen, der spürt, dass er anders ist. Vom unsicheren Teenager, der seine Gefühle nicht einzuordnen weiß. Und vom erwachsenen Gangster, der sein wahres Ich verleugnet und nur des nachts, wenn er sich nicht wehren kann, im Traum der Wahrheit unterliegt. Das ist bisweilen gemächliches, aber stets ansprechendes Kino.
Moonlight Szene mit Chiron

Ein Film eben, der es dem Zuschauer nicht leicht macht, der einfordert und – so man sich denn darauf einlässt – mehr erzählt, als die meisten seiner Mitnominierten. Ganz unablässig der #OscarsSoWhite-Debatte ist „Moonlight“ einfach ein sehenswerter Film, der das Innenleben seiner Figuren gekonnt nach außen kehrt. Selbst, wenn diese es gar nicht wollen. „Moonlight“ ist ein Film der Zwischenräume, der geflüsterten Worte, der stummen Blicke.

Moonlight – Fazit

moonlightDas mag nicht jedem gefallen. Wer sich einfach in einen Film fallen lassen möchte, wird mit „Moonlight“ nicht bedient. Er ist seinem Thema angemessen schwer, was nicht zu verwechseln ist mit dröge oder langatmig. Nur darf hier niemand hoffen, ein Liedchen würde die Charaktere zueinander finden lassen oder Konflikte lösen. Hier schwelen Konsequenzen über Jahre unter der Oberfläche, formen Figuren, zerstören sie, heilen sie. „Moonlight“ ist der ruhende Gegenpol zur Grande Bellezza Hollywoods. Und das ist gut so.

Titel: Moonlight
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 111 Minuten
Erscheinungsjahr: 2017
Regisseur/Autor: Barry Jenkins
Darsteller: Trevante Rhodes, Ashton Sanders, Alex R. Hibbert, Mahershala Ali, Naomie Harris, Janelle Monae

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