Männertag: Versorger oder Rock’n Roller

MÄNNERTAG - Chestnut Films, Chris versucht zu Koksen- Hipster dringt ein, BILD: 36, Leonard Halfen als HIPSTER, Tom Beck als CHRIS BOSSE
Chestnut Films, Chris versucht zu Koksen…

Früher sagte man, wer  nichts wird wird Wirt. Doch das ist veraltet. Heute heißt es: Entweder wirst du Versorger oder Rock’n Roller – dazwischen gibt’s nichts. Jedenfalls behauptet das Chris (Tom Beck), koksender, rauchender, trinkender Schauspieler. Er spielt Dr. Fröhlich in einer Serie, die nur Rentner gucken. Trotzdem ist er King of Kotelett. Und der mit Abstand coolste – und irgendwie auch der einzige Grund, sich den Streifen von Holger Haase überhaupt anzuschauen.

Tom Becks Charakter ist zwar ein Arschloch vor dem Herrn, das von der Produktionsleitungs-Assistentin Andrea (Lavinia Wilson) eigentlich in die Entzugsklinik gebracht werden soll, aber irgendwie halt eben unympathisch sympathisch. Kennt man ja, diese Sorte Figur. Zusammen mit seinen Kumpels von früher wollen sie ihren langjährigen Kumpel beerdigen bzw. dessen Asche verstreuen – und zwar an den abgelegenen See, wo sie sich damals kurz vorm Abi ewige Treue geschworen haben. Am Männertag. Wann auch sonst. Problem: Das mit der Treue hat nicht so wirklich geklappt, das mit den Traumberufen auch nicht. Jetzt sind alle irgendwie irgendwas anderes geworden – und eigentlich niemand das, was er werden wollte…

MÄNNERTAG - Chestnut Films, Pascal zwingt Chris zum Salz koksen, BILD: 37T1, Chris Tall als PAUL SAMMER, Oliver Wnuk als PETER
Chestnut Films, , Chris Tall (l.) und Oliver Wnuk (r.)

Peter (Oliver Wnuk) beispielsweise. Früher berühmt für sein langes Gemächt, heute eine Mannfrau – sprich: Transsexuell. Oder Klaus-Maria (ker, ist der dünn geworden: Axel Stein). Schriftsteller isser, behauptet er. In Wahrheit hat er es nie über Seite eins geschafft, hat mehrere Kinder an den Backen und eine nervige Frau. Stevie (Milan Peschel) wollte früher auch was anderes werden – jetzt ist er spießiger Lehrer mit einem Sohn (Chris Tall), der vom ganzen Internet ausgelacht wird, weil er seiner Herzensdame Bubble Tea servieren wollte und dabei kläglich scheiterte. Und Andi Mauz (Hannes Jaenicke) ist auch da. Früher noch Feind unserer Protagonisten, jetzt ist er nur noch peinlicher Rollenspieler an der frischen Luft.

Illustre Charaktere, aller bis zur Lächerlichkeit überzogen – natürlich, ist ja ’ne deutsche Komödie. Doch: Das ganze absurde Spektakel macht anfangs echt höllischen Spaß. Warum auch immer. Da beerdigen sie ihren Kumpel, der ihnen ein Bierbike vermacht. Damit radeln sie durch die Weltgeschichte, aus dem Off tönt The BossHoss. Sie wollen zum See, verunglücken, treffen auf Matze Reim, koksen, saufen, gröhlen, streiten, ziehen blank, jeder verrät irgendein Geheimnis über sich, klar. Und ständig darf Tom Beck einen Spruch über Chris Talls Amokläufer-Aussehen machen. Hach.

Lust macht das, doch: Dann kommt die Läuterung. Irgendwann schlägt der Film ernstere Töne an, will irgendwas aussagen – und Haase verliert die Kontrolle über sich. Aus dem absurden Klamauk wird bloßer Klamauk ohne Spaß. Jeder darf was über sich erzählen, die Läuterung startet. Dann wird herrlich überzogen, und dann ist schon bald wieder Schacht im Schacht. Soll wohl was über Freundschaft aussagen, dass man sich öfters als nur alle zehn Jahre aufgrund einer Beerdigung mal wieder sehen sollte, joar. Irgendwie meh.

Fazit

MÄNNERTAG - Chestnut Films, Grillvorbereitung + Peter redet „kind of gay“, BILD: 42, Axel Stein als KLAUS-MARIA, Tom Beck als CHRIS BOSSE, Lavinia Wilson als ANDREA, Milan Peschel als STEVIE SAMMER, Chris Tall als PAUL SAMMER
MÄNNERTAG – Chestnut Films, Grillvorbereitung

Aber: Am Ende bleibt nur übrig, dass der eine halt Versorger wird und der andere Rock’n Roller. Und wenn man beides nicht wird, kokst man auf einem zugeschissenen Dixi-Klo. Immerhin weiß ich, dass man mit Bubble Tea niemanden herum bekommt. Auch eine Erkenntnis.

Titel: Männertag
Laufzeit: 91 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Komödie
Produktionsland: Deutschland
Regisseur: Holger Haase

 

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