Einfach das Ende der Welt – Familie bedeutet Krieg

Vincent Cassell und Marion Cotillard in Einfach das Ende der Welt
Das Thema Familientreffen scheint eine ganze Reihe von Filmemachern zu inspirieren. Schon Thomas Vinterberg lies in „Das Fest“ eine dysfunktionale Famille aufeinandertreffen. Jetzt nimmt sich auch Xavier Dolan (Mommy) dessen an. Der oft als Wunderkind bezeichnete Dolan rennt von einem Erfolg zum nächsten. Kritiker und Publikum liegen ihm regelmäßig zu Füßen. Doch mit Einfach das Ende der Welt wollte es nicht so recht funktionieren.

Kritiker in Cannes reagierten verhalten, Zuschauer zeigten sich von der anstrengenden Machart irritiert. Dolans unbändiger Stilwille ist es, der seine Filme zu Monumenten des modernen Kinos macht. In Mommy war es noch das grandios genutzte Bildformat 1:1, in Einfach das Ende der Welt haftet die Kamera nahezu ununterbrochen an den Gesichtern der Darsteller. Das macht es nicht immer einfach, erzeugt aber mit zunehmender Laufzeit einen Strom der Gefühle.

Die Geschichte rund um den Schriftsteller Louis, der nach 12 Jahren seine Familie wiedersieht, ist schnell erzählt. Sie alle haben ihm etwas zu sagen, sie alle möchten wissen, wieso er damals gegangen ist. Gaspard Ulliel spielt den verschlossenen Louis mit angenehm zurückgenommen. Der Zuschauer weiß selten, was genau in ihm vorgeht, auch wenn er einen Wissensvorsprung im Vergleich zu seinen Geschwistern und der Mutter besitzt.

Gaspard Ulliel in Einfach das Ende der Welt
©Weltkino

Ebenfalls großartig agieren Lea Seydoux (Blau ist eine warme Farbe) als rebellische jüngste Schwester und Nathalie Baye in der Rolle der Mutter. Beide schaffen es, die spärlichen Informationen, die uns Dolan serviert, mit ihrem Schauspiel auszuschmücken. Das Familientreffen mag kein angenehmes sein, doch das Offenlegen der Gefühlswelten, die pfeilschnellen Dialoge – all das zieht den Zuschauer in seinen Bann. Die Darsteller haben keine Möglichkeit ihre Gefühle zu unterdrücken oder gar zu verstecken, denn die gnadenlose Kamera hält jede winzige Regung fest.

Dolan lässt seinen Figuren keinen Moment der Intimität. Alles liegt offen, wie eine schwelende Wunde und Dolan ist es, der den Finger draufdrückt und den Eiter spritzen lässt. Einfach das Ende der Welt ist nicht nur ein wohlklingender Titel, denn für die Figuren fühlt es sich am Ende des Tages genauso an. Die Familie nimmt ihnen den Raum zum Atmen. Sie würden sich gerne davon lossagen, frei sein, aber die Blutsbande lassen das nicht zu. Da helfen auch nichts Marion Cotillards (Macbeth) wunderschöne Rehaugen oder Vincent Cassels (Märchen der Märchen) überbordende Wutausbrüche.

Einfach das Ende der Welt – Fazit

Einfach das Ende der Welt Plakat
©Weltkino
Was Einfach das Ende der Welt so großartig macht, sind die winzigen Momente des Glücks, die durchscheinen. Jene, die zeigen, was sein könnte, anstelle dessen, was ist. Es ist das, was zwischen dem Gesagten hängt, was nachhallt, wenn die Worte gesprochen und die Taten umgesetzt wurden. Manchmal entfernen sich Menschen voneinander, selbst Familienmitglieder. Dann sieht man sich bei der nächsten Familienfeier, sieht sich stumm an und denkt sich: „Kenne ich dich überhaupt?“. Einfach das Ende der Welt, jedenfalls fühlt es sich so an.

Titel: Einfach das Ende der Welt
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 95 Minuten
Autoren: Xavier Dolan, Jean-Luc Lagarce
Regisseur: Xavier Dolan
Darsteller: Gaspard Ulliel, Vincent Cassell, Lea Seydoux, Marion Cotillard, Nathalie Baye, Marion Cotillard

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