„Die Blumen von Gestern“ – Leben mit einem nationalsozialistischen Hintergrund

Lars Eidinger in Blumen von Gestern
© Edith Held / Four Minutes Filmproduktion / Piffl Medien GmbH

Ein Deutsch-Österreichischer Film über Holocaustforscher. Klingt nach schwermütigem Drama. Darin eine Liebeskomödie zu vermuten wäre wohl noch absurder. Wie abwegig wäre dann erst eine Mischung aus beiden Genres der der Anstand an den richtigen Momenten abhandenkommt?

Totilla Blumen ist Historiker. Sein Fachgebiet ist der Holocaust. Deshalb ist er nicht nur auf der Arbeit ein sehr humor- und glückloser Mensch, der die Nerven verliert als man ihm die Leitung der Auschwitz-Konferenz wieder abnimmt. Dann bekommt er auch noch die französische Praktikantin Zazie an die Hand gereicht. Für Totilla läuft nichts wie es soll und Zazie bringt mit ihrer Art nur noch mehr Unruhe in sein recht freudloses Leben. „Die Blumen von Gestern“ ist eine unglaublich abwechslungsreiche Geschichte. Dabei wird der Zuschauer nicht überfordert, aber eben auch mal gefordert. Hier geht es um den Umgang mit einem fürchterlichen Völkermord und was passiert, wenn spätere Generationen der Opfer und Täter aufeinandertreffen. Es geht um eine im scheitern begriffene Beziehung und um neue Liebe. Diese ist jedoch auch von emotionalen Konflikten begleitet.

Zazie (Adèle Haenel) und Totilla (Lars Eidinger) stöbern in den Unterlagen ihres verstorbenen Professors
© Edith Held / Four Minutes Filmproduktion / Piffl Medien GmbH

Kein Drama, aber auch keine (romantische) Komödie

Trotz dieser allesamt starken Handlungsstränge bringt einen der Film zum Lachen. Manchmal an den augenscheinlich unpassendsten Stellen, manchmal vielleicht auch nur wegen des Tabubruchs. Man wird vielschichtig unterhalten. Freude und Depression waren in einem Film selten derart nah beieinander, ohne deplaziert zu wirken. Die Darsteller leisten allesamt eine fantastische Arbeit. Lars Eidinger festigt seinen Ruf als großartiger Charakterdarsteller und Adèle Haenel, die für diesen Film extra Deutsch gelernt hat, spielt die irre Zazie perfekt. Besonders zu erwähnen ist noch eine Nebenrolle. Sigrid Marquardt, die Grande Dame des Wiener Burgtheaters, verstarb im August 2016 im Alter von 91 Jahren. In die Blumen von Gestern präsentiert sie jedoch noch einmal ihr Talent und stellt die exzentrische Holocaustüberlebende Rubinstein glaubwürdig und unterhaltsam dar.
 

Die Blumen von Gestern – Fazit

Die Blumen von Gestern hat mich überrascht. Man erwartet bei der Thematik ein ernstes Drama, kommuniziert wird eine romantische Komödie. Der Film ist am Ende eine Mischung aus beidem und dadurch etwas komplett Eigenständiges. Chris Kraus erzählt eine Geschichte, die man so nicht noch einmal hören wird und allein deshalb ist der Film ein absoluter Tipp. Mit dem nötigen Maß an Offenheit kann dieser Film begeistern und eine wirklich neue Geschichte ist es in meinen Augen wert gesehen zu werden.

Die Blumen von Gestern Poster
© Piffl Medien GmbH

BEWERTUNG: 9.0/10

Titel: Die Blumen von Gestern
FSK: ab 12 freigegeben
Erscheinungsjahr: 2016
Laufzeit: 124
Autor: Chris Kraus
Regisseur: Chris Kraus
Darsteller: Lars Eidinger, Adèle Haenel, Hannah Herzsprung, Jan Josef Liefers, Sigrid Marquardt
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