Boss Baby – Eltern, nehmt euch in Acht!

Alec Baldwin spricht das Boss Baby
©20th Century Fox

Es scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, Pixar den Rang abzulaufen. Dabei mangelt es der Konkurrenz nicht an phantastischen Ideen. Egal ob es um das Leben von Haustieren geht, wenn die Herrchen & Frauchen mal nicht zuhause sind oder eben um ein Baby, das sich so gar nicht wie eines verhält. Potential steckte in „Pets“ und auch jetzt in „Boss Baby“. Doch Ersterer krankte an einer zunehmend hektischen Inszenierung, der sich sämtliche Ideen unterordnen mussten. Übrig blieb ein heilloses Durcheinander ohne Herz, eine Reizüberflutung par excellence. Macht es Dreamworks mit „Boss Baby“ besser?

Die Ausgangssituation verspricht jedenfalls viel. Tim ist glückliches Einzelkind, muss sich plötzlich aber mit einem Bruder arrangieren. Das Baby trägt allerdings Anzug und verhält sich ganz und gar nicht so, wie man es von einem Baby erwartet. Das Aufeinanderprallen zweier Welten, nämlich die der Erwachsenen und die der Kinder, ist es, was „Boss Baby“ weit vor der Konkurrenz platziert. Die Macher schöpfen aus dem Vollen, wenn sie das Boss Baby in Geschäftsmann-Manier auftreten lassen.
Da redet es in lehrhaftem Tonfall über das Business, BWL-Studiengänge und Powernaps, während das Publikum aus dem Lachen nicht mehr herauskommt. Hier versteht es Regisseur Tom McGrath hervorragend zwischen Witz für Jung und Alt zu jonglieren, ohne je beide Seiten aus den Augen zu verlieren. Gerade in Zeiten von Rüpeln im Anzug, die die Medien bestimmen, ist es eine Wonne, „Boss Baby“ zuzuschauen. Es ist sicher kein Zufall, dass Alec Baldwin (Blue Jasmine) die Rolle im Original spricht, der mit seiner Trump-Interpretation in Saturday Night Live zuletzt für Aufsehen sorgte.

Familie von Boss Baby
Leider kann – wie schon „Pets“ – das Niveau nicht bis zum Ende aufrechterhalten. Sobald die krude Story um Hundewelpen und der Mission der „Firma“ an Fahrt aufnimmt, verstrickt sich das Drehbuch in Verfolgungsjagden und Actionbombast. Der subversive Witz für Jung und Alt tritt zurück und „Boss Baby“ kann nur hin und wieder seine Qualitäten ausspielen. Das ist immer noch bedeutend besser gelöst als in „Pets“, aber an Pixar kommt die Dreamworks-Produktion nicht heran.

Boss Baby – Fazit

the-boss-babyHälfte eins ist eine liebevolle Hommage an das Familienleben. Hier wird sich jeder wiedererkennen, egal ob Eltern, Einzelkinder oder Geschwister. Das hohe Maß an Identifikation tröstet dementsprechend über die sich einstellende Eintönigkeit im letzten Drittel hinweg, in der die Prämisse einem üblichen Showdown geopfert wird. Im Feld der Konkurrenz ist „Boss Baby“ trotzdessen weit vorne, den Platzhirsch Pixar kann er aber nicht vertreiben. Lediglich im Bereich der phantasievollen und kreativen Animationen braucht sich „Boss Baby“ nicht hinter seinem großen Bruder zu verstecken. Für den Rest braucht es vielleicht noch ein paar Jahre, bis der Altersunterschied nichts mehr ausmacht. Wie im echten Leben nun mal auch.

Titel: Boss Baby
Laufzeit: 97 Minuten
Genre: Animationsfilm
FSK: ab 0 freigegeben
Erscheinungsjahr: 2017
Regisseur: Tom McGrath
Sprecher: Alec Baldwin, Steve Buscemi, Lisa Kudrow, Jimmy Kimmel

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