Birth Of A Nation – Gewalt erzeugt Gegengewalt

Birth of A Nation mit Nate Parker
©20th Century Fox

Die Suche nach der eigenen Identität ist im Grunde nie abgeschlossen. Sucht ein ganzes Land danach, kann sich dieser Prozess schon einmal über mehrere Jahrhunderte hinziehen oder sogar nie abgeschlossen sein. „Birth of a nation“ nimmt sich dem Beginn dieses Prozesses an. Nämlich damals, als Amerika ein entzweiter Haufen kleiner und großer Staaten war, die mehr schlecht als recht koexistierten. Damals, als die Sklaverei das Volk entzweite und die eine Hälfte auf die andere hinabsah. Eine wütende Zeit, eine, in der Verzweiflung und Hoffnung so nah beieinander lagen, dass das eine in das andere überging. Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Nate Parker will mit seinem Werk vieles, aber wird aus seinem Film nicht ein Ikarus?

Das Erstlingswerk galt nach der Premiere auf dem Sundance Film Festival als großer Oscaranwärter. Die Studios überboten sich mit Millionenbeträgen für die Rechte, Fox gewann. Ein obskurer Vergewaltigungsskandal in der Vergangenheit des Regisseurs ließ das Interesse jedoch ganz, ganz schnell wieder schwinden. Sang- und klanglos ging „Birth Of A Nation“ unter, der Regisseur verschwand aus dem Rampenlicht. Auch losgelöst von der Persona des Regisseurs, hinterlässt der Film jedoch einen zwiespältigen Eindruck.

Birth Of A Nation – Herzblut und Ambition

Birth Of A Nation Sklavenaufstand
Auf der einen Seite steht das Herzblut, das in das Projekt eingeflossen ist. Man merkt Parker zu jederzeit, wie wichtig ihm die Geschichte des Widerständlers Nat Turner ist. Der Mann möchte Großes erschaffen, diesem Menschen ein Denkmal bauen und sich selbst in den Olymp der Filmindustrie katapultieren. Dass das nicht funktioniert hat, liegt nicht (nur) an seinen Taten. Der Film selbst ist es, der, abseits des schockierenden Themas und der interessanten Prämisse, wenig zu bieten hat.

Die ewigen Litaneien und Gebetssprüche sind insofern zu verzeihen, da der reale Nate Parker tatsächlich Priester war. Er sprach selbst oft von Visionen, die ihn ereilten und hielt Predigten vor seinen Gläubigern. Wenn der Film – beziehungsweise Parker – aber das Morden der Afroamerikaner in symbolisch-christliches Licht rückt, ist der Zuschauer irritiert. Da wird ein Mann mit dem Hackebeil erschlagen, im Hintergrund ein leuchtendes Christenkreuz. Da quält sich die Hauptfigur durch die Ungerechtigkeiten hindurch und wird Zeuge einer Vision, die einen Himmelsengel darstellt. Hier verliert der Film jegliche Form, hinterfragt nicht, sondern glorifiziert Nat Turner auf irritierende Art und Weise.

Dabei besitzt „Birth Of A Nation“ einige Szenen voller Kraft, nämlich dann, wenn sich Parker von seiner Hauptfigur entfernt und die Umstände für sich sprechen lässt. Etwa, wenn sich ein reiches, weißes Mädchen über eine Haussklavin freut, wie andere über ein Haustier oder ein anderes weißes Mädchen ein Sklavenmädchen am Halsband hinter sich her zieht. Hier liegt der Horror, in der Banalität des damaligen Alltags. Solche Bilder zu sehen tut weh und es beunruhigt, zu wissen, dass diese Zustände noch gar nicht so lange zurückliegen. Abseits davon gibt es außer Armie Hammers (Lone Ranger) Figur keinerlei Ambivalenz. Die Weißen sind durch und durch niederträchtig, für Subtilität ist hier kein Platz.

Birth Of A Nation – Fazit

Birth Of A Nation Cover
©20th Century Fox
All das macht aus „Birth Of A Nation“ zwar ein ambitioniertes, aber nicht rundum gelungenes Werk. Nate Parker hat definitiv Talent, aber ein versierter Geschichtenerzähler ist er noch nicht. Sein Werk über das Amerika in Kinderschuhen steckt voller Wut, ist voller Einzelaspekte, die noch kein großes Ganzes ergeben. Da konnte Steve McQueen mit „12 Years A Slave“ den deutlich besseren Film zur selben Thematik vorlegen. Wann und ob Parker wieder auf der Bildfläche erscheinen wird, ist nicht abzusehen. Hollywood wird von seiner Person vorläufig die Finger lassen, wie auch von diesem Film.

Titel: Birth Of A Nation
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 120 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Regisseur/Autor: Nate Parker
Darsteller: Nate Parker, Armie Hammer, Colman Domingo, Aunjanue Ellis, Penelope Ann Miller, Jackie Earle Haley

(Visited 10 times, 1 visits today)
Google+
Pinterest

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.